Wunden und Wunder - das Herz unseres Lebens

 

          

Unsere Sehnsucht verlangt danach

uns zur Erkenntnis aller Möglichkeiten zu führen

die im Erdreich unseres Herzens schlummern

John o'Donhue

 

Wir haben alle Wunden – kleine, grosse und solche, von denen wir lange nichts wissen, weil sie uns nicht bewusst sind. Verwundetsein ist alltäglich. Es macht uns menschlich. Und weil wir alle verletzbar sind, gehört die Wunde zu unserem Menschsein schlechthin. Sie verbindet uns, wenn wir fragen „wie geht es Dir?“. Und – sie verbindet uns in unserer Sehnsucht nach Heilung.

In Zeiten von Krankheit und anderen Krisen stellen wir uns diesen Wunden und dieser Sehnsucht in einer ganz besonderen Tiefe. Fragen, die vorher kaum hörbar waren, brauchen nun Raum. Sie sind kostbar, weil sie die Lebendigkeit unserer Seele spiegeln, die sich nun auf den Weg macht. In unseren modernen Zeiten von Freiheit und Selbstverwirklichung, denen nicht selten dramatische Brüche gewohnter und geborgener Lebenszusammenhänge vorausgehen, brauchen wir Halt in uns selbst. Dieser Blick nach innen ist oft schmerzhaft, weil er auch an das erinnert, was schwer war. Die eigene Geschichte hat uns zu dem gemacht, der wir sind und der von dem, der werden will, noch nichts weiß. Doch im Strudel des „woher?“ und „wohin?“ erkennen wir uns selbst.

Lebenskrisen waren für mich seit jeher verknüpft mit der Fage „wozu?“. Tief im Innersten bin ich der Bewegung gefolgt, die das Unausweichliche in die Zukunft macht. Schicksal kann hilfreich sein, wenn wir seine Gnade zulassen. Dieses unerschütterliche Vertrauen in die Sinnhaftigkeit, dessen was ist, hat mich getragen durch ein Meer von Veränderungen, die mir es heute ermöglichen, Menschen in ihren Lebensfragen zu begleiten. Die Arbeit mit der Biographie, die wir als eigenes Kunstwerk begreifen und zunehmend nach unseren Wünschen und Visionen gestalten lernen, ist die Arbeit am innersten Lebenszusammenhang, dem roten Faden. Dabei sind die Urbilder der verschiedenen Abschnitte eines Lebenslaufes tragend, um die Krisen einzuordnen und in ihrer seelisch-geistigen Verwandlungskraft zu verstehen. Biographiearbeit ist seelisch-geistige Entwicklungsarbeit. Denn mit dem Blick auf die eigene Vergangenheit stellen wir uns dem, was gefehlt hat und öffnen unser Herz, wenn wir unser inneres Kind nun selbst an die Hand nehmen. Die Erfahrung, nicht wirklich WAHRgenommen worden zu sein, heißt für die Seele, nicht SEIN zu dürfen. Im Lauschen nach der eigenen Wahrheit, verbinden wir uns wieder mit unserem geistigen Wesenskern. Der Weg nach Hause hat begonnen, wenn das Leben wieder mein Leben wird. Das ist das Wunder.


       „Die Arbeit an der eigenen Biographie ist Herzensarbeit“