DIE SEELE DES MENSCHEN IST EINE BLÜTE DER WELT, BESTIMMT IN SICH DEN GÖTTLICHEN GEIST ZU REIFEN.                                           RUDOLF STEINER

  

 

Die Biographie des Menschen rückt zunehmend in unser menschheitliches Interesse.

Auch die Biographiearbeit als Gesprächs- und Erinnerungsarbeit ist nicht mehr unbekannt und hat ihren Platz in vielen sozialen Berufen gefunden.

 

Hier geht es um eine Biographiearbeit, die über die Identitätsfrage des Menschen hinaus die Sinnfrage stellt. Wer sich dazu auf den Weg machen möchte, öffnet sich für die Annerkennung unseres Menschseins als Teil einer kosmischen Schöpfung und Ordnung.

Die Grundlage, innere Zusammenhänge eines Lebens lesen und verstehen zu können, sind die Gesetzmäßigkeiten des Urbildes seelisch-geistiger Entwicklung, die auf altem mystischem Wissen und den geistigen Erkenntnissen Rudolf Steiners beruhen. Jedes Leben entfaltet sich über einen dreigegliederten Rhythmus mit jeweils drei Jahrsiebten für die körperliche, für die seelische und für die geistige Entwicklung. Über diesen Rhythmus sind wir Menschen miteinander verbunden.

Gegenwärtig wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die individuellen Ziele und Potentiale gelegt. 

Doch um wirklich zu verstehen, wo wir Menschen individuell sind - im Sinne von geistig impulsiert - brauchen wir den Zugang zu den universellen Gesetzmäßigkeiten, wie z.B. den Jahrsiebten und den Mondknoten. Sie lesen zu können, heißt einen kosmischen Schlüssel in der Hand zu halten, der die verschlossenen Türen zur Allverbundenheit wieder öffnen kann. 

Erst dann können wir Lebensereignisse in einen sinnhaften Zusammenhang stellen und Lebenskrisen aus der individuellen Zukunft heraus verstehen. Denn das Ganze des Woher? und Wohin? unseres Lebens ist immer anwesend, und erst die ganzheitliche Betrachtung des individuellen Lebens ermöglicht die Ordnung von Vergangenheit und Zukunft und den unverstellten Blick auf das, was entgegenkommt.

 

So kann die Biographiearbeit Ihnen, liebe Interessierte, helfen, am Wendepunkt zwischen Krise und Bewusstsein, das innerste Einverständnis mit dem, was ist, zurück zu gewinnen und Veränderung zuzulassen und zu wollen. Seelisch-geistige Entwicklung ist immer auf eine erfüllende Zukunft gerichtet. 

 

 

Ausgangspunkt für die Arbeit mit der eigenen Biographie sind Ihre Fragen, die meist erst in einer Krise hörbar werden und nun Raum brauchen. Sie sind kostbar, weil sie die Lebendigkeit der Seele spiegeln, die sich nun auf den Weg macht. Neben den Auswirkungen von Technisierung und Digitalisierung leben wir in Zeiten einer Freiheit von Selbstverwirklichung, die Brüche aus gewohnten und geborgenen Lebenszusammenhängen beschleunigen. Wir brauchen Halt in uns selbst.

Doch der Blick nach innen ist schmerzhaft und der Weg einer, der keine Symptome weg macht. Denn gerade sie sind die Sprache unserer Seele, der wir zu lauschen verlernt haben. 

Früher hat der Arzt gefragt: Was fehlt Ihnen? Heute leben wir mit einer Medizin ohne Seele, die ihre Vorherrschaft behauptet, indem sie die Seele krank schreibt. Sie verordnet Pillen gegen Depression und Angststörung, ohne diese Phänomene im Zusammenhang mit der Biographie verstehen zu wollen. Nicht aber unsere Seele ist krank, sondern die Art wie wir mit ihr umgehen. Wir haben der Entwicklung der Seele die Flügel gestutzt. 

Siehe dazu auch unter dem Stichpunkt Biographiearbeit / Veröffentlichungen: Info3 Podcast "Über das ganzheitliche Verständnis in der                                                                                                                         Biographiearbeit im Gegensatz zum diagnostischen Verständnis"

 

Durch die Erkenntnisarbeit mit Hilfe der Matrix werden die Wunden unserer Seele in einem ganzheitlichen Sinn verstehbar. Um sie zu heilen, müssen wir mit dem zukünftigen Licht in der Hand bereit sein, in ihre Tiefen zu steigen.

In wie weit seelische Heilarbeit in der Biographiearbeit über die Erkenntnisarbeit hinaus möglich und gewollt ist, hängt von dem jeweiligen persönlichen Ansatz des Biographieberaters ab.

Siehe dazu auch unter dem Stichpunkt Biographiearbeit / Erkenntnis und Liebe und Biographiearbeit / Das Begegnungsgespräch.

 

Allgemein gilt:

Moderne Biographien sind nur noch zu verstehen, wenn wir sie als Mysterium erkennen und den Einweihungsweg darin sehen lernen. Denn die Gegenwart fordert uns in Stirb und Werdeprozessen ohne den Halt vergangener Werte. Wenngleich sie reinigend wirken, haben die meisten Menschen Angst, dem Fluss des Lebens zu folgen. Wie können wir Vertrauen lernen? Erst in der Durchgehung der eigenen Seelentiefen an der Schwelle von Verstandes- zur Bewusstseinseele erwachen wir zu einer SELBSTerfahrung, die uns mit unserem geistigen Wesenskern verbindet. Das Mysterium von Freiheit und Liebe hat sich geöffnet. Die heilende Kraft in unserem Leben hat sich offenbart.

 

Die Arbeitsweise in der Biographiearbeit ist eine grundsätzlich phänomenologische.

Das bedeutet, dass die Ereignisse und Erfahrungen weder bewertet noch interpretiert werden. Die Kunst des Begleiters ist, sich mit Ihnen auf eine gemeinsame Reise zu machen und die Schicksalskräfte zukunftsweisend zu lesen. Wer heilend arbeitet, besitzt die Fähigkeit, einen freien und offenen Raum zu ermöglichen und zu halten, in dem sich die Schilderungen des Klienten in ihrer Verwandlungskraft offenbaren können.

Siehe dazu unter dem Stichpunkt Biographiearbeit / Das Begegnungsgespräch und

siehe dazu auch das "Berufsbild Biografiearbeit" sowie die Berufs-Ethik unserer Berufsvereinigung Biografiearbeit BVBA.

Die Berufsethik wurde formuliert vor dem Hintergrund des anthroposophischen Menschenbildes, das sich gründet in der Individualität und Freiheit eines jeden Menschen sowie in Gleichheit und Brüderlichkeit als Ausdruck unseres Menschseins.

 

www.biographiearbeit.de/index.php?pageid=1

www.biographiearbeit.de/downloads/BVBA_Berufs-Ethik_2016_04.pdf

 

Wann ist Biographiearbeit angebracht?

Sinn unseres Lebens ist die Überwindung der Spaltung zwischen unserem Alltagsbewusstsein und einem umfassenderen Bewusstsein. Dieser Inkarnationsprozess - das Beheimaten unseres Geistes im Tempel unseres Körpers - geschieht jeden Tag durch das Erleben von Ich und Welt in einer Vielzahl biographischer Ereignisse. Letztendlich befinden wir uns immer in der Spannung zwischen dem, was ist und dem, was werden will.

Ja, dieses WERDEN hat einen Willen, der nicht selten uns unerkannt entgegen kommt. Erst in den Krisen unseres Lebens - wie sich wiederholenden Konflikten oder dem Entdecken der eigenen inneren Leere hinter einem überfordernden Alltag - fangen wir an zu ahnen, wie sehr wir uns SELBST verloren haben. Insofern ist Biographiearbeit zu jedem Zeitpunkt richtig. Auch präventiv. Ihre ordnende Wirkung schafft not-wendiges Bewusstsein, in dem Sie wieder Orientierung und Vertrauen finden. Besonders ab dem zweiten Mondknoten - Ende Dreißig, Anfang vierzig - wenn die gewohnten Identitäten keinen Halt mehr geben, fordert das Leben Innenschau und spirituelle Anbindung. Durch die Matrix finden wir zu einer ganzheitlichen Selbsterkenntnis, die das Erleben von Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Denn wie oben so unten. Wie innen so außen. 

 

 Ich lebe mein Leben

in wachsenden Ringen

die sich über die Dinge ziehn

Ich werde den letzten

vielleicht nicht vollbringen

aber versuchen will ich ihn

 

Ich kreise um Gott

um den uralten Turm

und ich kreise jahrtausendelang

und ich weiß noch nicht

bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang

 

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

 

 DAS LABYRINTH VON CHARTRES

Am Boden eingearbeitet in der Kathedrale von Chartres, Frankreich 13. Jh.

Die Mitte korrespondiert mit der Mitte der Rosette über dem Westportal,

in der der Christus seine Wunden zeigt

Labyrinthe sind seit jeher als Einweihungswege benutzt worden